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Ein. Aus.

Ich atme ein.
Du atmest aus.
Ich atme ein.
Du atmest aus.
Einatmen.
Ausatmen.
Ein.
Aus.

Aus.

Stille umgibt mich, diese Art von Stille, die man hören kann. Mein Kopf ist noch gefüllt vom Stadtlärm, Autos, Menschen, Kinder, Baustellen, wieder Autos, S-Bahn, U-Bahn, Bahn, alles ist mobil, alles bewegt sich, alles regt sich.
Hier – hier draußen in der Natur, ist es still. Und nichts bewegt sich. Nichts regt sich. Scheinbar.
Du kannst die Stille hören. Du kannst die Bäume hören. Du kannst die Erde hören. Du kannst das ganze Universum hören, wie es im Hintergrund an Fäden zieht, den Lauf der Zeit bestimmt, die Planeten dreht, die Sonne zum Scheinen, den Mond zum Leuchten bringt.

Du atmest ein.
Ich atme aus.
Du atmest ein.
Ich atme aus.
Einatmen.
Ausatmen.
Ein.
Aus.

Aus.

Mein Kopf, eben noch voller Lärm, voller Gedanken, voll fremder Geschichten all jener Menschen, die mir begegnen, ist leer. Nicht diese Leere vor einem großen Sturm, sondern die Leere nach dem Sturm. Zuerst erscheint es mir, als wäre nichts am Platz, wo es hingehören sollte. Meine Gedanken verwirren sich, ein Knäul aus zähen Ideen und Wünsche aus der Zukunft, Erinnerungen und Ängste aus der Vergangenheit. Hier nun, inmitten dieser Stille, im Auge des Sturms, bleibt nichts davon, außer Erstaunen über die Gegenwart. Du hörst die Bäume, das Gras, die Blumen, die Vögel. Kiekmadie, kiekmadie, ruft einer. Kiek mal die, denke ich, und sehe zu, wie meine Anspannung von mir fällt, in ein dunkles Loch, an welchem ich gerade noch stand. Ich wende mich ab.

Ich atme. Weder ein, noch aus. Denn ich atme. Frei. Ohne Angst, ohne Hass, ohne Zukunft, ohne Vergangenheit, einfach nur da – im Hier.

Im Jetzt.
Im Sturm.
In der Stille.